Sprachprofiler https://sprachprofiler.de Wir überführen anonyme Täter! Mon, 01 Jun 2020 16:52:13 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.1 https://i1.wp.com/sprachprofiler.de/wp-content/uploads/2020/04/cropped-cropped-Logo_sprachprofiler_ohne-Text.png?fit=32%2C32&ssl=1 Sprachprofiler https://sprachprofiler.de 32 32 176595632 Corona-Betrug: Sprachprofiler analysieren gefälschten Behördenbrief https://sprachprofiler.de/2020/05/31/corona-bundesstelle-fuer-seuchenschutz/ https://sprachprofiler.de/2020/05/31/corona-bundesstelle-fuer-seuchenschutz/#respond Sun, 31 May 2020 10:11:48 +0000 https://sprachprofiler.de/?p=2595

Betrüger wollen mit gefälschtem Behördenbrief abzocken

Angst, Unsicherheit und Unwissen. Aktuell versuchen Betrüger mit unterschiedlichen Maschen die Corona-Lage für ihre miesen Geschäfte zu nutzen. Besonders dreist: Die falsche „Bundesstelle für Seuchenschutz“ verlangt Vorkasse für einen angeblichen COVID-19-Test, der natürlich nie stattfinden wird.

 

Offizielle Aufmachung des gefälschten Briefes und Behördendeutsch sollen Vertrauen schaffen

Betrugsmasche mit angeblichem Bundesamt für Seuchenschutz

Bildquelle: Polizeirevier Barth

 

Auf den ersten Blick wirkt der gefälschte Brief wie ein offizielles Schreiben einer Behörde. Aufmachung mit Bundesadler, vertrauter Schriftart, eckige Kästen mit Sachbearbeiterangaben und Zwangsandrohung.

Im Schreiben steht: „Da Sie nach offiziellen Angaben des Einwohnermeldeamtes einer Risikogruppe angehören, sind wir von Amtswegen dazu verpflichtet, Sie auf Covid-19 zu testen.“ Angeblich liege in der örtlichen Postfiliale eine Briefsendung bereit. Gegen eine Gebühr von 110,50 Euro werde der Corona-Test ausgehändigt.

Beim genaueren Hinsehen sollten allerdings nicht zur Sprachprofiler stutzig werden:

 

Die Betrüger sind bemüht in der Optik, aber schlampig im Deutsch

Eines dieser gefälschten Schreiben, über die aktuell bundesweit berichtet wird, liegt dem Institut für forensische Textanalyse vor.

Das Fälschungsniveau ist auf den zweiten Blick schwach. Noch schwächer waren in jüngster Vergangenheit lediglich die Phishing-Mails, die angeblich von der Weltgesundheitsorganisation WHO stammen sollten. Diese E-Mails waren in englischer Sprache verfasst, offenbarten jedoch sehr schnell, dass die Täter der englischen Sprache nur sehr rudimentär mächtig waren.

Der gefälschte Behördenbrief der Bundesstelle für Seuchenschutz weist ein Deutsch auf muttersprachlichem Niveau auf, zeugt jedoch von einem einfachen Sprachniveau und einem höchstens mittleren Bildungsgrad.

 

Rechtschreibfehler als Alarmsignal

Sprachliche Fehler können immer ein Hinweis auf einen möglichen Betrug sein. Behörden sind bemüht, ihre Schreiben gemäß den Regeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik zu formulieren. Zeigen sich gravierende Fehler, liegt der Verdacht einer Fälschung nahe. Wir listen hier einige Indikatoren auf, bei denen Sie grundsätzlich kritisch werden sollten:

  • Großes „Sie“ vs. kleines „ihr“: Kaum zu übersehen ist die Inkonsistenz bei der Großschreibung der höflichen Anrede. In dem Schreiben wird das  Anredepronomen „Sie“ korrekt groß geschrieben. Die zugehörigen Personalpronomen, wie z. B. „Ihr“, „Ihre“ und „Ihnen“, werden alle fälschlicherweise klein geschrieben (z. B. „in ihrer zuständigen Postfiliale“).
  • Fehlendes Plural-S bei der Fallbildung: Auch mit der deutschen Grammatik nehmen es die Fälscher nicht ganz genau: „Eine Vorauszahlung der anfallenden Gebühren ist notwendig, da in der Vergangenheit verpflichtende_ Gesundheitstest_ ohne Gebührenpflicht oft nicht nachgekommen wurde.“, heißt es da. So ein Fehler wäre für eine deutsche Behörde nicht gerade ein Aushängeschild.
  • Mangelnde Sorgfalt bei der Textpflege: Gleich eine ganze Reihe von Fehlern beinhaltet der letzte Satz des Haupttextes: „Um eine schnelle Abwicklung zu gewährleisten_(fehlendes Komma) bitten wir Sie, die Sendung binnen 3 Tagen nach erhalt (Kleinschreibung des Nomens „Erhalt“) ihrer (Kleinschreibung des Anredepronomens „Ihrer“) Benachrichtigung bei der Deutschen Post auszulösen.“ Hier scheint den Betrügern die Lust vergangen zu sein. Als Sprachprofiler erleben wir es regelmäßig, dass sich am Ende von Texten typische Fehler einschleichen. Das gilt gleichermaßen für anonyme Briefe, Drohbriefe und Erpresserschreiben.
  • „Covid-19 Virus“ vs. „Covid-19Virus“: In dem gefälschten Schreiben wird durchgängig die Schreibweise „Covid-19 Virus“, ohne Bindestrich zum Grundwort „Virus“ gewählt. Der Vergleich zu anderen offiziellen Behördentexten zeigt, dass dort in der Regel die Schreibweise „Covid-19-Virus oder „Covid19-Virus“ gewählt wird.

 

Inhaltliche Ansatzpunkte, einen gefälschten Behördenbrief zu entlarven

Auch folgende Anhaltspunkte sollten Sie skeptisch werden lassen. Hier eine Auswahl:

  • Keine Angabe der Rechtsgrundlage: Obwohl die davon Rede ist, dass die Bundesstelle für Seuchenschutz zu Tests verpflichtet ist, fehlt der Bezug auf die entsprechende Rechtsgrundlage, z. B. nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Behörden müssen bei jedem Verwaltungsakt die entsprechende Rechtsgrundlage nennen.
  • Keine Zuständigkeit: Innere Sicherheit ist Ländersache! Beim Infektionsschutz zuständig sind in erster Linie die kommunalen Behörden, also die lokalen Gesundheitsämter. Werden Sie hellhörig, wenn Bundesbehörden, wie z. B. das Bundesministerium für Gesundheit und das Robert-Koch-Institut als Absender genannt werden.
  • Keine Kontaktdaten: Zwar wird ein „Herr Petersen“ als Sachbearbeiter genannt, es fehlen jedoch Kontaktmöglichkeiten, wie z. B. eine Telefonnummer.

 

Grobe Fehler und schlechtes Deutsch sollten Sie kritisch machen

Um beim Lesen auf grobe Fehler zu stoßen, müssen Sie kein Sprachprofiler sein.

Sobald Sie den leisesten Verdacht haben, dass ein an Sie gerichteter Brief von Betrügern stammen könnte:

  • Recherchieren Sie im Internet! In diesem konkreten Fall werden Sie sehr schnell feststellen, dass es eine „Bundesstelle für Seuchenschutz“ nicht gibt. Stattdessen zahlreiche Betrugswarnungen, die glücklicherweise auf den ersten Blick sichtbar sind.
  • Melden Sie den Verdacht der Polizei.
  • Wenden Sie sich an den Verbraucherschutz.

 

Institut für forensische Textanalyse

Das Institut für forensische Textanalyse unterstützt Unternehmen und Privatpersonen, die anonym angegriffen, bedroht oder erpresst werden. Mehr Informationen zu unseren Sprachprofilern finden Sie hier …

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https://sprachprofiler.de/2020/05/31/corona-bundesstelle-fuer-seuchenschutz/feed/ 0 2595
Drohschreiben und Sprachprofiling im Stuttgarter Tatort – wir machen den Realitäts-Check https://sprachprofiler.de/2020/05/25/drohschreiben_tatort_stuttgart/ https://sprachprofiler.de/2020/05/25/drohschreiben_tatort_stuttgart/#respond Mon, 25 May 2020 09:09:18 +0000 https://sprachprofiler.de/?p=2494

Geld oder Leben: Anonyme Briefe im Stuttgarter Tatort

„Ich will drei Millionen Euro.“ Am 24. Mai 2020 zeigte die ARD den Stuttgarter Tatort „Du allein“. Ein Erpesser, ein Drohschreiben und eine hohe Geldforderung. Alles was ein guter Krimi braucht. Die Stuttgarter Kriminaler bedienen sich aller möglichen Ermittlungsmethoden, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Unter anderem auch der forensischen Linguistik. Die Sprachprofiler des Institutes für forensische Textanalyse machen den Realitäts-Check:

 

Die anonymen Briefe eines unberechenbaren Täters

„1“. Mehr steht nicht in dem Schreiben, das an „Die Ermittler im heutigen Mordfall“ adressiert ist. Was man für einen Scherz halten könnte, wird für die TV-Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz bald zur grausamen Realität. Denn noch am selben Vormittag wird eine Frau auf offener Straße erschossen. Ein zielgerichteter Weitschuss, offensichtlich von einem versierten Schützen; auf der Patronenhülse ist eine „1“ eingraviert. Mehr Indizien gibt es zunächst nicht.  Die Ermittler ahnen bereits Böses und sollten Recht behalten:

 

Der zweite anonyme Brief im Stuttgarter Tatort „Du allein“ der ARD am 24.05.2020. Foto: ARD Mediathek

Der anonyme Erpresserbrief

Ich will drei Millionen Euro.

Sollten Sie die Zahlung verweigern, erschieße ich in dieser Stadt einen Menschen nach dem anderen.

Zufällige Opfer, bis keiner mehr übrig ist.

Wenn Sie zahlen, wird es keine weiteren Toten geben.

Bestätigen Sie die Zahlung, indem Sie morgen eine Anzeige in den Stuttgarter Neuesten Nachrichten mit folgendem Text schalten. „Lasst uns leben!“

Danach erhalten sie weitere Informationen.

 

Der klassische Zugriff: Kriminaltechnische Untersuchungen

Ein ganzes Team an Ermittlern stürzt sich auf die Briefe, um sie kriminaltechnisch zu untersuchen. Fingerspuren werden gesichert, nach Faser- und DNA-Spuren gesucht. Auch individuelle Spuren des verwendeten Druckers können sichtbar gemacht werden: Offensichtlich handelt es sich um ein ältereres, aber professionelles Modell, vermutlich Inventar eines Büros. Vom Täter gibt es jedoch noch keine Spur.

Dunkle Erinnerungen werden wach. Von 1988 bis 1994 erpresste ein Mann unter dem Pseudonym „Dagort“ Kaufhäuser, wie das KaDeWe in Berlin oder Karstadt-Filialen in Bremen, Hannover und Bielefeld. 5 Bombenanschläge, einen Brandanschlag und 30 gescheiterte Geldübergaben später konnte der Mann erst überführt werden. Das wollen die Ermittler um jeden Preis verhindern.

 

Der Ansatz der Sprachprofiler

Dann werden Stil, Grammtik und Wortschatz unter die Lupe genommen. Ein Ermittler formuliert folgendes Autorenprofil: Der Täter sei deutscher Muttersprachler und mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Umgebung von Stuttgart aufgewachsen. Er oder sie hat durchschnittliche Bildung, mittlere Reife, möglicherweise auch Abitur. Der Schreiber sei zu „53 Prozent männlich, zu 47 Prozent weiblich“, so der Beamte Schneider.

 

Unser Realitäts-Check

Tatsächlich lassen sich aus anonymen Briefen oft Rückschlüsse auf die Person und die Persönlichkeit des Täters ziehen. Aussagen zur Muttersprache, regionalen Herkunft und zum Bildungsgrad ebenso, wie beispielsweise zu Geschlecht und Alter. Dazu müssen eine Vielzahl größtenteils sehr subtiler Hinweise erkannt und gegeneinander abgewogen werden. Denn es gibt keine per se männliche oder weibliche Sprache! Genauso wenig gibt es eine exakt definierte ältere oder jüngere Sprache. Dennoch lassen die Analysen eines versierten Sprachprofilers oft ein erstaunlich treffsicheres Bild enstehen.

 

Zu 100 Prozent ein No-Go

Ein durch Sprachprofiling erstelltes Täterprofil muss als „Arbeitshypothese“ bewertet werden und darf keinesfalls, wie im Stuttgarter Tatort, in Prozentzahlen ausgedrückt werden! Anders als in der Naturwissenschaft handelt es sich bei linguistischen Analysen um sogenannte „weiche Wissenschaft“. Der Untersuchungsgegenstand ist der Mensch, seine Sprache, seine Psyche und sein Sozialverhalten. Und diese Parameter lassen sich nicht in abolute Zahlen zwängen. Aus wissenschaftlicher Sicht ein absolutes No-Go. Denn Prozentzahlen suggerieren dem linguistischen Laien einen Grad an Objektivität, der in der Praxis nicht derart gegeben ist. Diese Grundregel gilt übrigens nicht nur für die forensische Linguistik, sondern für alle Gutachten in den Bereichen der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Psychologie.

 

Die gutachterliche Bewertungsskala für vergleichende Sprachgutachten

Sehr viel stärker belastbare Aussagen können Sprachprofiler bei vergleichenden Sprachanalysen treffen. Wenn zum Beispiel ein anonymer Brief mit Vergleichstexten von möglichen Verdächtigen abgeglichen wird. Signifikante sprachlicher Muster, die in beiden Textgruppen systematisch vorkommen, haben die stärkste Aussagekraft.

Wir am Insitut für forensische Textanalyse arbeiten deswegen mit einer wissenschaftlich etablierten Skala, um unsere Ergebnisse auszudrücken. Diese Skala wird auch vom Bundeskriminalamt im Fachbereich Autorenerkennung genutzt:

Die zu vergleichenden Texte stammen …

+/-4:  mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
+/- 3: mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit
+/- 2: mit hoher Wahrscheinlichkeit
+1/-1: wahrscheinlich

… von einem gemeinsamen Autor.

Zudem gibt es die gutachterliche Stufe 0 (non liquet). Das beudetet, dass nicht beantwortet werden kann, ob beide Texte von einem gemeinsamen Autor stammen.

 

Wie die Ermittler aus Stuttgart trotz dieser schwierigen Ausgangslage dem Täter auf die Spur kommen, erfahren Sie in der ARD-Mediathek.

 

Weitere Informationen zum Institut für forensische Textanalyse

Noch mehr Informationen zum rund um Sprachprofiling, forensische Linguistik, Drohbriefe, Erpresserschreiben, gefälschte Testamente und anonyme Briefe finden Sie auf unserer Homepage und in unserem Blog. Viel Spaß beim Lesen!

 

Die geheimen Muster der Sprache – Ein Sprachprofiler verrät, was andere wirklich sagen

Mit unserem Buch ermöglichen wir jedem Interessierten einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Sprachprofiler. Es erwartet Sie ein spannender Mix aus echten Fällen und ein Einblick in die Methoden der forensischen Linguistik. Ganz nebenbei erfahren Sie, wie Sie in Zukunft noch treffsicherer Kommunizieren. Hier geht es direkt zum Buch.

 

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https://sprachprofiler.de/2020/05/25/drohschreiben_tatort_stuttgart/feed/ 0 2494
Wie wird man Sprachprofiler? https://sprachprofiler.de/2020/05/12/wie-wird-man-sprachprofiler/ https://sprachprofiler.de/2020/05/12/wie-wird-man-sprachprofiler/#respond Tue, 12 May 2020 08:07:29 +0000 https://anonymebriefe.com/?p=1809 Beruf Sprachprofiler?

Jede Woche erreichen uns Anfragen wie man Sprachprofiler wird und ob es eine Ausbildung für forensische Linguistik gibt. Eine standardisierte Berufsausbildung zum Sprachprofiler gibt es im deutschsprachigen Raum aktuell nicht. Ein Studium der Linguistik, Germanistik oder Kommunikationswissenschaften ist eine gute Grundlage, wenn man später als Sprachprofiler arbeiten will. Einige Universitäten bieten Kurse mit Schwerpunkt forensische Linguistik an, zum Beispiel das Institut für Linguistik an der Universität zu Köln.

Um den Einstieg in das Berufsfeld des Sprachprofilers zu machen, empfiehlt es sich dann, gemeinsam mit einem erfahrenen Sachverständigen an echten Fällen zu arbeiten. Auch wenn bei der vergleichenden Sprachanalse nach wissenschaftlichen Standards  gearbeitet wird, gibt es in der forensischen Linguistik kein Schema F. Das Sprachprofiling ist ein absoluter Erfahrungsberuf und gleichzeitig mit einer großen Verantwortung verbunden. Verständnis für die Systematik unserer Sprache, analytische Fähigkeiten und gewissenhafte Detailarbeit sind notwendig, um die Schreiber anonymer Briefe anhand deren Sprachmuster zu überführen.

 

Kann ich ein Praktikum beim Insititut für forensische Textanalyse machen?

Unsere Sprachprofiler sind für Unternehmen, Sicherheitsbehörden und in einzelfällen auch für Privatpersonen im Einsatz. Jeder einzelne unserer Auftraggeber kann auf unsere Diskretion vertrauen. Deshalb können wir leider keine Praktia oder Hospitationen für Interessierte anbieten.

Wenn Sie über ein abgeschlossenes Masterstudium Linguistik und über Vorerfahrungen im Bereich forensische Linguistik/Sprachprofiling verfügen, können wir Ihnen, abhängig von Ihrer Qualifikation, unterschiedliche Kooperationsmöglichkeiten anbieten. Kontaktieren Sie uns gerne hier.

 

Ein möglicher Einstieg ins Sprachprofiling

Die Germanische Gesellschaft für Forensische Linguistik (GSFL – Germanic Society for Forensic Lingustics) ist ein internationaler Zusammenschluss aus Sozialwissenschaftlern, Praktikern und Studenten. Das Ziel der GSFL ist es, die Zusammenarbeit im Bereich der forensischen Linguistik zu verbessern und zu fördern. Dazu wird unter anderem einmal jährlich ein Arbeitstreffen durchgeführt, an dem auch Sprachprofler des Institut für forensische Textanalyse teilnehmen.

 

Betreueung von wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema forensische Linguistik

Wenn Sie im Rahmen eines Studiums an einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema forensische Linguistik arbeiten, vermitteln wir Ihnen gerne einen kompetenten Ansprechpartner. Kontaktieren Sie uns gerne hier.

 

Weitere Informationen zum Institut für forensische Textanalyse

Noch mehr Informationen zum rund um Sprachprofiling, forensische Linguistik, Drohbriefe, Erpresserschreiben, gefälschte Testamente und anonyme Briefe finden Sie auf unserer Homepage und in unserem Blog. Viel Spaß beim Lesen!

 

Die geheimen Muster der Sprache – Ein Sprachprofiler verrät, was andere wirklich sagen

Mit unserem Buch ermöglichen wir jedem Interessierten einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Sprachprofiler. Es erwartet Sie ein spannender Mix aus echten Fällen und ein Einblick in die Methoden der forensischen Linguistik. Ganz nebenbei erfahren Sie, wie Sie in Zukunft noch treffsicherer Kommunizieren. Hier geht es direkt zum Buch.

 

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Anonyme Briefe im Briefkasten https://sprachprofiler.de/2020/05/05/anonyme-briefe-im-briefkasten/ https://sprachprofiler.de/2020/05/05/anonyme-briefe-im-briefkasten/#respond Tue, 05 May 2020 11:12:28 +0000 https://sprachprofiler.de/?p=2405 Anonyme Briefe im Briefkasten – ein Fall für die Sprachprofiler

Anonyme Briefe sind unser Alltag. 24 Stunden am Tag, sieben Tage jede Woche, 365 Tage pro Jahr. Ein anonymer Brief kommt selten alleine. Auf anonyme Briefe im Briefkasten folgen oft Drohschreiben, Erpressungen oder anonyme Verleumdungen. Anonyme Briefe sind im Briefkasten, aber auch im E-Mail Fach, als anonyme Rezension oder anonymer Blogeintrag zu finden. Oft sind anonyme Angriffe ein Schock für die Betroffenen. Die Sprachprofiler am Institut für Forensische Textanalyse helfen, wenn Sie bei einem anonymen Brief den Absender herausfinden möchten. Hinweisgeber, die zu recht Missstände anprangern stehen bei unseren Ermittlungen nicht im Focus. Wenn ein anonymer Brief oder Schreiben Sie jedoch verleumdet, bedroht oder erpresst, ist das ein Fall für die Sprachprofiler am Institut für Forensische Textanalyse. Wir überführen anonyme Täter. Ein anonymer Brief, ein anonymes Schreiben und anonyme Blogeinträge werden von uns auf sprachliche Muster untersucht, so können wir bei einem anonymen Brief den Absender herausfinden und überführen. Ein anonymer Brief, jedes einzelne anonyme Schreiben und jeder noch so kleine anonyme Blogeintrag sind für uns eine Fundgrube an Hinweisen.

Anonymer Brief – Absender herausfinden mit den Sprachprofilern vom Institut für Forensische Textanalysen

Anonym muss nicht anonym bleiben! Das gilt sowohl für anonyme Briefe im Briefkasten, als auch für anonyme Schreiben via E-Mail, anonyme Blogeinträge und anonyme Rezensionen. Aber auch, wenn ein anonymer Täter unter einem Pseudonym, also unter einem fremden oder erfundenen Namen schreibt. Anhand von Vergleichstexten können wir als Sprachprofiler bei anonymen Briefen den Absender herausfinden. Dazu vergleichen wir die anonymen Texte mit den anonymen Texten möglicher Verdächtiger. Passen die Sprachmuster zusammen, haben wir den anonymen Briefeschreiber. Passen die Sprachmuster nicht zusammen, haben wir einen Verdächtigen entlastet. Dabei suchen Sprachprofiler nach Sprachmustern, die uns beim gewöhnlichen Lesen verborgen bleiben. So kann ein anonymer Brief und andere anonyme Texte, wie z. B. anonyme Blogeinträge oder anonyme Rezensionen einem bestimmten Autor zugeordnet werden.

Hinweisgeberschreiben JA – Anonyme Briefe mit Angriffen NEIN!

Einfach nur zu sagen „anonym“ ist feige, wäre zu einfach. In bestimmten Situationen gibt es gute Gründen einen anonymen Brief – oder anonyme Briefe zu schreiben. Anonyme Schreiben können helfen, Missstände aufzudecken. Deshalb haben viele Konzerne und große Unternehmen Whistleblower-Systeme eingeführt. Der anonyme Schreiber kann sich so trauen, Probleme anzusprechen, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Wenn allerdings ein anonymer Brief, anonyme Schreiben oder anonyme Rezensionen genutzt werden, um unwahre Behauptungen oder Verleumdungen zu verbreiten, ist eine Grenze überschritten. Dann helfen unsere Sprachprofiler von dem anonymen Brief den Absender zu ermitteln.

Anonymer Brief als Beweismittel vor Gericht

Unsere Sprachprofiler helfen mit Expertise anonyme Briefe zu identifizieren. Unsere Gutachten und Ergebnisberichte zu anonymen Briefen sind regelmäßig Beweismittel vor Gericht. Wenn wir den anonymen Text, beziehungsweise den anonymen Blogeitrag oder Brief sehen, können wir sehr schnell sagen, ob ein Gutachten von Gericht Aussicht auf Erfolg hat. Das Institut für Forensische Textanalyse ist das Kompetenzzentrum, wenn Sie bei einem anonymen Brief den Absender herausfinden und überführen möchten. Unsere Sprachprofiler durchleuchten jeden Tag einen anonymen Brief, der im Briefkasten, im E-Mail-Postfach oder anderswo gefunden wird. Leo Martin ist ihr erster Ansprechpartner bei anonymen Angriffen. Das Institut für Forensische Textanalyse hilft Ihnen bei jedem anonymen Brief!

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https://sprachprofiler.de/2020/05/05/anonyme-briefe-im-briefkasten/feed/ 0 2405
Auf der Suche nach anonyme Absender https://sprachprofiler.de/2020/05/05/auf-der-suche-nach-anonyme-absender/ https://sprachprofiler.de/2020/05/05/auf-der-suche-nach-anonyme-absender/#respond Tue, 05 May 2020 11:10:47 +0000 https://sprachprofiler.de/?p=2403 Auf der Suche nach anonyme Absender – mit forensischer Linguistik Täter überführen

Unser Institut für forensische Textanalyse befasst sich mit anonymen Tätern. Durch forensische Linguistik machen wir uns auf die Suche nach einem Absender, der Ihr Unternehmen oder Sie persönlich bedroht, und überführen Täter anhand von sprachlichen Mustern. Als Experten für die forensische Sprachwissenschaft können wir uns professionell damit befassen geschriebene Sprache zu analysieren. Das erlaubt es uns, ein Täterprofil zu erstellen und Sie von möglichen Bedrohungen zu befreien.

Forensische Linguistik – was ist das?

Die forensische Sprachwissenschaft befasst sich mit der Identifikation von Autoren. Täter lassen sich anhand unterschiedlicher Faktoren überführen. Wie jemand einen Text formuliert, hängt nämlich von seinem Bildungsgrad, seiner Sprachkompetenz sowie seiner geografischen Herkunft und seiner Berufsausbildung ab. Auch sein Geschlecht, sein Alter und sein soziologisches Umfeld beeinflussen seinen Sprachstil. Wir machen uns auf die Suche nach einem anonymen Absender, indem wir den Sprachstil und auch die Fehler in einer Nachricht untersuchen und anhand der geschriebenen Sprache ein Profil vom Täter erstellen. So erstellen wir ein Sprachgutachten, anhand dessen sich eine anonyme Nachricht mit anderem Textmaterial des potenziellen Täters vergleichen lässt.

Mit Sprachgutachten anonyme Täter zu überführen

Mit einem Sprachgutachten vergleichen wir Texte miteinander. So lässt sich ein möglicher Täter identifizieren oder entlasten. Die forensische Linguistik hilft uns außerdem dabei, die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Täterschaft zu bestimmen. Gibt es keine potenziellen Täter, dann liefert die forensische Sprachwissenschaft uns ein Täterprofil, das wir anhand der sprachlichen Merkmale in einem Text erstellen.

Aussagekräftige Täterprofile für weitere Ermittlungen

Anhand der geschriebenen Sprache können wir ein aussagekräftiges Täterprofil erstellen, wenn es keine möglichen Verdächtigen oder Vergleichstexte gibt. Anhand der sprachlichen Merkmale in einer Nachricht lassen sich verschiedene Aussagen treffen. So können durch die forensische Linguistik zum Beispiel die Anzahl der Autoren oder eine Verstellung im Text erkannt werden. Auch die Muttersprache sowie die regionale Herkunft des Schreibers lassen sich bestimmen. Zudem können auch die Altersgruppe sowie das Geschlecht und die Textfertigkeit analysiert werden. Die forensische Sprachwissenschaft hilft außerdem dabei, den Bildungsgrad und den Beruf zu bestimmen. All diese Faktoren unterstützen bei der Suche nach dem anonymen Absender und dabei, den Täter zu überführen.

Unsere Einsatzgebiete

Wir können Ihnen in vielen Bereichen helfen. Briefe, E-Mails oder Kurznachrichten können mit unterschiedlichen schlechten Absichten geschrieben sein. Unsere Einsatzgebiete erstrecken sich von Erpressungen über Verrat von Betriebsgeheimnissen, Werks- und Betriebsspionage, die Weitergabe vertraulicher Informationen und Bedrohungen bis hin zu Beleidigungen, übler Nachrede, Verleumdung und falscher Verdächtigung. Durch die forensische Sprachwissenschaft lassen sich Täter verlässlich überführen und Schäden vermeiden.

Wie kann die forensische Linguistik Ihnen helfen?

Wir sind Ihr verlässlicher Ansprechpartner, wenn es um die Suche nach dem Absender einer anonymen Nachricht geht. Die forensische Sprachwissenschaft ist ein bewährtes Mittel, wenn es darum geht, potenzielle Täter zu überführen. Unser Team aus erfahrenen Sprachprofilern ist mit Diskretion und Zuverlässigkeit für Sie im Einsatz. Nutzen Sie unsere Expertise in forensischer Linguistik für Ihre Zwecke und setzen Sie auf unsere zuverlässigen Dienste, die Sie vor Schaden bewahren werden.

Sollten Sie noch Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne über unser Kontaktformular oder telefonisch unter 00 49 (0) 89/12013790. Sie können uns auch eine E-Mail an info@sprachprofiler.de schreiben.

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https://sprachprofiler.de/2020/05/05/auf-der-suche-nach-anonyme-absender/feed/ 0 2403
Drohbrief erhalten? https://sprachprofiler.de/2020/05/05/drohbrief-erhalten/ https://sprachprofiler.de/2020/05/05/drohbrief-erhalten/#respond Tue, 05 May 2020 11:07:36 +0000 https://sprachprofiler.de/?p=2401 Drohbrief erhalten? Verfasser anonymer Drohbriefe durch Sprachgutachten entlarven

Ein anonymer Drohbrief verursacht beim Empfänger stets das beunruhigende Gefühl der Hilflosigkeit. Die Ungewissheit über den Absender lässt nur wenige Ansatzpunkte für Gegenwehr zu. Bei uns finden Sie in dieser Situation Hilfe. Unsere professionellen Sprachgutachter sehen, was der Autor mit seiner Textgestaltung unbewusst über sich selbst verrät. Wir ziehen Rückschlüsse auf Eigenschaften und Herkunft eines Verfassers. Die Sprachgutachten ermöglichen eine Autorenbestimmung über den direkten Verglich mit vorhandenen Textvorlagen und die indirekte Erstellung eines Täterprofils.

Drohbriefe aufbewahren & den Täterkreis eingrenzen

Ein anonymer Drohbrief soll Sie über die Gewissheit oder die Möglichkeit eins Schadens für Ihr Unternehmen, Sie selbst oder nahestehende Personen informieren. Bewahren Sie den Brief unbedingt auf. Droht das Schreiben ein Verbrechen gegen Sie selbst oder gegen Personen in Ihrem Umfeld an, greift der § 241 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. In diesem Fall können Sie eine Anzeige bei der Polizei machen. Der Brief ist dann offizielles Beweismaterial und kann kriminaltechnisch ausgewertet werden. Es gibt Gründe, zunächst auf die Hilfe der Polizei zu verzichten. Dann können wir dem Täter anhand einer wissenschaftlich fundierten Sprachanalyse auf die Spur kommen.

Verdächtige finden

Stellen Sie sich bei der Suche nach Verdächtigen folgende Fragen:

Was weiß der Täter?
Was will der Täter?
Welches Sprachniveau hat der Text?
Welche Form hat das Schreiben?

Aus den Antworten können Sie Rückschlüsse auf mögliche Autoren ziehen. Wir werden dann ein fundiertes Sprachgutachten erstellen und Vergleichstexte suchen. Stimmen die wesentlichen Merkmale der sprachlichen Muster überein, lässt sich der Täter gerichtsverwertbar überführen.

Fehlen Anhaltspunkte für Verdächtige, helfen wir Ihnen mit einem Täterprofil weiter. Der Verfasser greift beim Schreiben des Drohbriefes zwangsläufig auf seinen Wortschatz und die gewohnte Ausdrucksweise zurück. Wir können dem Drohbrief sehr viele Informationen zum Autor entnehmen.

Täter ermitteln – Verdächtige entlasten

Sprache dient der Weitergabe von Informationen. Sie beruht auf der Bedeutung von Wörtern und der Beziehung, in der die Wörter zueinanderstehen. Wortschatz und Grammatik erlernt jeder durch die Verständigung mit Personen in seiner Umgebung. Funktioniert die Verständigung, sind Wortschatz und Grammatik für den Sprecher uninteressant. In der Regel achtet auch der Autor in seinem Drohbrief gar nicht darauf. An diesem Punkt setzen wir mit der Sprachanalyse an. Sie ist die Grundlage, Täter zu ermitteln und andere Verdächtige zu entlasten.

Vorgehen bei der Autorenbestimmung

Das sprachliche Muster beruht auf dem Sprachgebrauch der Region, in der der Verfasser aufgewachsen ist oder lange gelebt hat. Es ist von der Muttersprache und von regionalen Eigenheiten geprägt. Wir können anhand der verwendeten Wörter und Redewendungen auf die Herkunft des Verfassers schließen.

Die Sprache verändert sich im Lauf der Zeit. Das gestattet uns Rückschlüsse auf das Alter des Autors.

Sprachwissenschaftler haben durch umfangreiche Beobachtungen festgestellt, dass sich Männer in der Regel anders ausdrücken als Frauen. Die daraus entstandenen Erkenntnisse nutzen wir zur Bestimmung des vermutlichen Geschlechtes des Verfassers.

Mit dem Bildungsgrad wachsen der verfügbare Wortschatz und die Geschicklichkeit, treffende Formulierungen zu finden. In den Wortschatz gehen Fachbegriffe ein, die in bestimmten Berufen vorherrschen. Diese Merkmale geben Hinweise auf die Tätigkeit des Autors.

Grammatik, Wortwahl und Ausdrucksweise ergeben das individuelle Sprachmuster. Das wird durch den Gemütszustand, in dem sich der Schreiber des Drohbriefes beeinflusst. Wut, Hass, Neid oder Verachtung spiegeln sich im Drohbrief wider und ermöglichen uns, die Charaktereigenschaften des Schreibers zu beurteilen.

Bei einer normalen Verständigung ergibt sich ein in sich geschlossenes Sprachmuster. Manchmal mischen sich im Drohbrief Merkmale, die nicht zueinander passen. Daran erkennen wir, dass mehrere Autoren an seinem Zustandekommen beteiligt sind oder ein Autor versucht, seine Identität zu verschleiern.

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https://sprachprofiler.de/2020/05/05/drohbrief-erhalten/feed/ 0 2401
Oliver Pocher vs. Anne Wünsche & ein anonymer Brief https://sprachprofiler.de/2020/05/01/oliver-pocher-vs-anne-wuensche-ein-anonymer-brief/ https://sprachprofiler.de/2020/05/01/oliver-pocher-vs-anne-wuensche-ein-anonymer-brief/#respond Fri, 01 May 2020 19:46:25 +0000 https://sprachprofiler.de/?p=2298 „Du wolltest mich am Boden sehen – du hast es geschafft“

 

Seit mehreren Wochen schießt Comedian Oliver Pocher online scharf gegen Influencer. Er durchleuchtet ihre Angebote und enttarnt unlautere Geschäftspraktiken. Unter anderem geht es um überteuerte Produkte, gekaufte Likes und für dumm verkaufte Follower.

Auch Ex-„Berlin Tag & Nacht“-Star Anne Wünsche geriet in Pochers Visier. Im Netz hat sich dadurch offenischtlich eine Eigendynamik entwickelt. Anne Wünsche bekommt deshalb eigenen Angaben zur Folge „eklige, fiese Nachrichten, die an die Nieren gehen“. Pochers Vorwürfe streitet Wünsche vehement ab.

Nachdem ihre Freundin und Influencer-Kollegin Kim Zarwell öffentlich gegen Pocher geschossen hatte, um Anne gegen dessen „Sticheleien“ zu verteidigen, ist sie nun Opfer einer anonymen Hater-Attacke geworden. Online, aber auch im realen Leben: Ihr Auto wurde mit Lack beschädigt. Zudem erhielt Kim einen anonymen Drohbrief, den sie dann im Netz veröffentlichte. Die Botschaft: „Lass Pocher in Ruhe du fettes Warzenschwein“.

„Du wollteste mich am Boden sehen – du hast es geschafft“, schluchzt Anne Wünsche Richtung Oliver Pocher in die Kamera.

Dieser anonyme Brief ist kein Fall für die Sprachprofiler des Institutes für forensische Textanalyse. Sprachprofiler Patrick Rottler erklärt warum:

 

Anonyme Briefe aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben

Drohbriefe und anonyme Schreiben, die aus ausgeschnittenen und aufgeklebten Zeitungsbuchstaben bestehen, sind die absolute Ausnahme. In der Praxis kommen sie so gut wie überhaupt nicht vor. Sie  sind eine Erfindung des Fernsehens. Damit wird dem Zuschauer auf einen Blick erklärt: Das hier ist ein anonymer Brief. Die Texte, die wir bearbeiten, wurden meistens am Computer geschrieben und dann ausgedruckt. Oder sie kommen online von einem Fake-Account. Der entscheidende Punkt in diesem Fall ist jedoch, dass der Drohbrief aus nur einer Zeile besteht und der Kreis der möglichen Schreiber wohl nur schwer eingrenzbar ist. Bestenfalls könnten wir einzelne Indizien herausarbeiten, jedoch keinen gerichtsverwertbaren Nachweis führen. Das ist ein Fall für die Kollegen von der Kriminaltechnik“, so Patrick Rottler.

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Geschützt: Erste Schritte in unserer Zusammenarbeit https://sprachprofiler.de/2020/04/26/vorgehen-bei-anonymen-briefen/ https://sprachprofiler.de/2020/04/26/vorgehen-bei-anonymen-briefen/#respond Sun, 26 Apr 2020 19:26:10 +0000 https://anonymebriefe.com/?p=2202

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Ist das Testament gefälscht? https://sprachprofiler.de/2020/04/25/ist-das-testament-gefaelscht/ https://sprachprofiler.de/2020/04/25/ist-das-testament-gefaelscht/#respond Sat, 25 Apr 2020 09:20:04 +0000 https://anonymebriefe.com/?p=2127 Gefälschtes Testament? Sprachgutachten & Autorenbestimmung vom Sprachprofiler

Ist das Testament echt? Oder ist das Testament gefälscht? Sprachprofiler sind die Kriminalisten unter den Linguisten. Unser Ermittlungsgebiet ist das geschriebene Wort. Dabei nutzen wir unsere umfassenden interdisziplinären Kenntnisse rund um die älteste Kulturtechnik der Menschheit – die Sprache. Minutiös und analytisch spüren wir Idiom, Soziolekt und Idiolekt eines Schreibers nach und erstellen so Sprachgutachten und sprachwissenschaftliche Expertisen etwa im Bereich der Autorenbestimmung.

Sie haben den Verdacht, ein gefälschtes Testament vorliegen zu haben oder möchten einfach nur objektive Gewissheit über dessen Authentizität? Wie viele andere Arbeiten auf dem Sektor des Sprachprofilings ist genau das ein Fall für uns.

 

Der Idiolekt eines Menschen: So einzigartig wie seine DNA?

Schreiber – Sprachprofiler reden allerdings auch beim Verfasser schriftlicher Äußerungen eher vom Sprecher oder auch vom Autor – verraten mit jedem Wort, das sie benutzen, und darüber hinaus mit der Art, wie sie es benutzen, sehr viel mehr über sich selbst, als Laien gemeinhin denken. Denn der Idiolekt eines Menschen, seine ganz und gar eigentümliche Weise, sich auszudrücken, Sätze zu bauen und Zusammenhänge sprachlich erkennbar zu machen, ist unter günstigen Umständen fast so einzigartig wie zum Beispiel seine DNA oder das Muster seiner Fingerabdrücke.

Sprachprofiling ist mithin die Disziplin, die sich jenseits der beschränkteren Möglichkeiten der Schriftvergleichung und der Spurensicherung mit der Frage nach dem tatsächlichen Urheber eines Textes auseinandersetzt. Schließlich liegen bei weitem nicht mehr alle Texte heutzutage handschriftlich und mit Daumenabdruck versehen vor, wie es zu historischen Zeiten der Fall war. Es existieren zwei grundsätzliche Möglichkeiten, auf die wir als Sprachprofiler bei der Autorenbestimmung an einen Text herangehen können.

 

Ein gefälschtes Testament erkennen: Die Werkzeuge des Sprachprofilings

Die erste Möglichkeit: Der Autor ist bekannt und soll verifiziert oder als Verfasser widerlegt werden. An dieser Stelle kommt zur Erläuterung wieder das Beispiel gefälschtes Testament ins Spiel. Denn genau dieses steht bei Erbstreitigkeiten oft sehr schnell als zunächst stummer und schon wenig später lautstark geäußerter Vorwurf im Raum: Handelt es sich um ein gefälschtes Testament? Manche warten gar nicht erst, bis ein solcher Verdacht formuliert wird, sondern suchen sich schon bei ersten Anzeichen dafür ganz direkt Unterstützung bei einem Experten für Sprachprofiling, um die Echtheit eines Testaments zu untermauern.

Als Sprachprofiler arbeiten wir in solchen Fällen mit Vergleichsproben, das heißt: mit allen Formen erhaltener schriftlicher Äußerungen des Erblassers. Das können zum Beispiel Briefe, Notizen oder auch umfangreichere bzw. prägnante Postings in sozialen Medien sein.  Dabei haben wir ein waches Auge auf idiomatische, also regional geprägte Arten des Sprachgebrauchs und den Soziolekt unter Freunden, in der Nachbarschaft und der Familie.

Das auf der Grundlage dieser Arbeit erstellte Sprachgutachten enthält eine Wahrscheinlichkeitsbetrachtung zur Autorenbestimmung und gibt so eine wissenschaftlich fundierte Antwort auf die Frage: Gefälschtes Testament oder nicht?

 

Der unbekannte Verfasser: Weitere Wege der Autorenbestimmung

Die zweite Möglichkeit der Herangehensweise ist in erster Linie für Strafverfolgungsbehörden, Privatermittler und Journalisten von Interesse. Dabei ist über den Verfasser nichts bekannt, oder es existieren lediglich einige vage Vermutungen. Hier lautet unsere Aufgabe, über Sprachprofiling Rückschlüsse auf den Autoren zu ziehen, seine Herkunft, sein Lebensumfeld, seinen sozialen und beruflichen Status sowie sein Alter. Sie würden sich wundern, wie viel ein Mensch schon mit wenigen geschriebenen Sätzen über sich verraten kann, selbst wenn er die Hinterlassung sämtlicher physischer Spuren geschickt vermeidet.

Gerne erzählen wir Ihnen mehr über unser Angebot in Sachen Sprachgutachten, gefälschtes Testament & Co. Fordern Sie einfach per Telefon oder per E-Mail einen Beratungstermin an. Wir sind schon jetzt gespannt auf die analytische Herausforderung, vor die Sie uns stellen. Unsere Kontaktdaten finden Sie hier.

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Wie Sprachprofiler die Schreiber anonymer Briefe überführen https://sprachprofiler.de/2020/04/22/wie-sprachprofiler-die-schreiber-anonymer-briefe-ueberfuehren/ https://sprachprofiler.de/2020/04/22/wie-sprachprofiler-die-schreiber-anonymer-briefe-ueberfuehren/#respond Wed, 22 Apr 2020 18:34:32 +0000 https://anonymebriefe.com/?p=2082 Lesen Sie hier die überarbeitete Version des Artikels „Wie Sprachprofiler die Schreiber anonymer Briefe überführen“ von Patrick Rottler, der in der Ad Legendum, der Ausbildungszeitschrift für Juristen an der Universität Münster erschienen ist.

Anonymer Brief führt zu Alarm Rot

Geschäftsführer Ralf Rötgen, knallt einen Stapel Unterlagen auf den Tisch und brüllt: “So eine Scheiße darf nie wieder passieren!”. Er sieht in die betretenen Gesichter seiner Kollegen. Die Situation ist ernst! Die Halbleiterbranche ein Haifischbecken. Jedem war klar, dass die Übernahme heikel werden würde. Selbst auf oberster Ebene hatte man lange über den Sinn und Unsinn dieses Schrittes gestritten. Am Ende gab es ein Machtwort aus dem Vorstand und man hatte sich auf eine abgestimmte Kommunikation nach Abschluss der ersten Verhandlungen verständigt. So lange sollte alles top-secret behandelt werden. Ralf Rötgen zitiert aus dem anonymen Brief, das ihn am Vormittag über den zentralen Posteingang erreicht hatte:

LithioNanoTec AG
Herrn Ralf Rötgen
persönlich/vertraulich!

Sie stehen kurz davor, den größten Fehler Ihrer bis dato so bilderbuchhaften “Karriere” zu machen. Den Kauf der TamTeck werden Sie nicht “überleben”. Anstatt sich eine Spielwiese für Ihr Ego zu schaffen, sollten Sie besser das Kerngeschäft anpacken. (…) Man sieht auf den ersten Blick, dass die Zahlen geschönt, und die TamTeck deutlich überbewertet ist. Da hat noch einmal jemand “die Braut hübsch gemacht”. Dadurch wird unsere Lage nicht besser, sondern immer ernster. Das Wasser steht uns bis zum Hals. Leider lassen Sie uns keine andere Möglichkeit, das Unternehmen, seine Mitarbeiter, und letztendlich auch Sie(!) zu schützen! Geben Sie Ihre diesbezüglichen Pläne besser auf, sonst sehen wir uns gezwungen, die in der Anlage befindliche Studie in Kürze der Belegschaft zugänglich zu machen. Der Schritt in die Medien ist dann auch nicht mehr weit. Und dann waren Sie die längste Zeit der strahlende Saubermann… (…) Damit ist dann wohl alles gesagt …

Hochachtungsvoll,
besorgte Mitarbeiter

Dem anonymen Brief beigefügt war die Kopie eines internen Dokumentes der Geschäftsentwicklung, in dem von der Stilllegung einer größeren Forschungseinrichtung und der Streichung von 200 Stellen nach der Fusion ausgegangen wird.

Tatsächlich war dieser einschneidende Schritt notwendig, um das Unternehmen strategisch neu auszurichten. Das Marktumfeld hatte sich innerhalb der letzten beiden Jahre so verändert, dass ein Weiter-so in den sicheren Konkurs geführt hätte. Die Fusion mit der Firma TamTeck war ein dünner Strohhalm, um das Geschäft der LithioNanoTec im Kern zu retten und zukunftsfähig zu machen. Um den Zusammenschluss zu ermöglichen, waren im Vorfeld defizitäre Geschäftsbereiche rigoros eingestellt worden. Dabei hatten sich das Unternehmen weit innerhalb des rechtlich zulässigen Rahmens bewegt. Ralf Rötgen war sich seiner Verantwortung zu jedem Zeitpunkt bewusst und hatte seine Entscheidungen dementsprechend getroffen. Der ganze, teilweise schmerzhafte Prozess, war so sozialverträglich wie möglich aufgesetzt worden. Die dennoch drastischen Maßnahmen hatten natürlich trotzdem Verunsicherung und Angst in der Belegschaft ausgelöst. Die aktuelle Verhandlung war eine der wenigen verbleibenden Chancen. Doch der Deal war noch nicht in trockenen Tüchern. Wenn er eine Chance haben sollte zu gelingen, brauchte Rötgen Stabilität in seiner Belegschaft und jeden einzelnen seiner hoch spezialisierten Wissenschaftler. Deshalb stellte in dieser Phase jede Störung von außen eine ernste Gefahr dar. Ein Scheitern hätte 600 weitere Jobs gekostet.

Tatort Text: Einsatz für den Sprachprofiler

Dieser Fall ist ein klassischer Einsatzbereich für die Sprachprofiler des Institutes für forensische Textanalyse. Der Auftrag lautet: Überführen Sie den anonymen Täter! Unser Auftraggeber: Ein Unternehmen, das “stille” Ermittlungen – ohne Staatsanwaltschaft – wünscht. Unsere wichtigste Aufgabe: Klarheit schaffen! Denn neben allen strategischen Herausforderungen, vor denen Herr Rötgen jetzt steht, wäre sein größtes Problem, einen nicht identifizierten Maulwurf in den eigenen Reihen zu wissen.

Anonyme Schreiben treten in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf. Die aus Illustrierten ausgeschnittenen und aufgeklebten bunten Buchstabentexte sind – und waren schon immer – die absolute Ausnahme. Jede andere Form ist tägliche Praxis: handgeschrieben oder gedruckt auf Papier, per E-Mail von anonymen ausländischen Servern aus, bis hin zu Textnachrichten auf dem Smartphone, deren Absender technisch nicht zurückverfolgt werden kann.

Briefe, wie im Fall der LithioNanoTec AG, sind immer auch Spurenträger und sollten deshalb auch sorgfältig kriminaltechnisch untersucht werden. Das Sichern von Fingerabdrücken, Faserspuren oder DNA-Anhaftungen sind klassische kriminalistische Ermittlungsansätze. Genau wie die Analyse des Papiers, des Schreibmittels, der Handschrift oder des Druckverfahrens. Das Sprachprofiling verfolgt einen neuen, einen anderen Ansatz.

Durch sprachwissenschaftliche Methoden können auch Täter überführt werden, die sich der klassischen Ermittlungsmethoden bewusst sind und deshalb absichtlich tarnen oder täuschen. Genauso wie jene, die aus der Anonymität des Internets heraus bedrohen, verleumden oder erpressen. Der Sprachprofiler hat einen großen Vorteil auf seiner Seite: Ein Täter, der sein Ziel erreichen will, muss immer eines tun: er muss kommunizieren!

Gibt es einen sprachlichen Fingerabdruck?

Sprache hat immer einen persönlichen Stil. Denn Sprache ist ein hochgradig schöpferischer Prozess. Bei der Wahl jedes einzelnen Wortes, jeder Einleitung, jeder Anrede, jeder Höflichkeitsform, jeder Zeitform, jeder Redewendung, jedes Satzzeichens, jeder Groß- und Kleinschreibung, jeder Aktiv- oder Passivkonstruktion, jeder Betonung und jeder Reihenfolge, jedes Haupt- und jedes Nebensatzes, muss der Akteur Entscheidungen treffen.

Ein wesentlicher Aspekt des Sprachprofilings ist, dass wir unsere gesprochene Sprache, genau wie auch geschriebene Texte, zum größten Teil unbewusst bilden. Wir folgen dabei Mustern, die tief in uns verankert sind. Diese Muster entstehen, weil unsere Sprache von Anfang an durch unser soziales und kulturelles Umfeld geprägt wird. Beispielsweise durch unsere Eltern, die Familie, Freunde, Schule, den Beruf und nicht zuletzt durch unsere ganz individuellen persönlichen Interessen. Wir haben sie so verinnerlicht, dass wir sie nicht mehr bewusst wahrnehmen. Vielleicht haben auch Sie in Ihrem Umfeld Menschen, die bestimmte Formulierungen, wie zum Beispiel “nicht wirklich”, “dementsprechend ” oder “echt jetzt?” so häufig verwenden, dass Sie sich fragen, ob dem anderen diese Auffälligkeit überhaupt bewusst ist.

“Sie stehen kurz davor, den größten Fehler Ihrer bis dato so bilderbuchhaften “Karriere” zu machen.” Alleine diesen Satz hätte der Täter auf hundert verschiedene Arten und Weisen formulieren können. Hat er aber nicht. Er hat nicht formuliert: “Sie stehen kurz vor dem größten Fehler Ihres Lebens …”, er hat geschrieben “bis dato” und nicht “bis heute”, “bisher” oder “bislang”. Statt bei der Sache zu bleiben, hat er einen polemischen zweiten Halbsatz gewählt, und das Wort “Karriere” in Anführungszeichen gesetzt. Auch das hätte er nicht tun müssen. Aber macht das alleine unsere Sprache wirklich so einmalig wie ein Fingerabdruck?

Ein Fingerabdruck ist einmalig und unveränderbar. Der Kriminalist muss bei der Spurensicherung genau wissen, wo das Suchen Sinn macht. Während ein Laie auf der Tischplatte suchen würde, sucht ein Profi auch darunter. Genauso ist es bei der forensischen Textanalyse. Oft sind es die subtilen, auf den ersten Blick nicht sichtbaren Muster, die am Ende zum Täter führen. Der Kriminalist braucht für jede Oberfläche den richtigen Pinsel, das perfekte Pulver, die passende Folie und in schwierigen Fällen besonderes Licht oder Chemikalien. Beim Sichern hat er nur eine einzige Chance. Wenn er handwerklich einen winzigen Fehler macht, ist die Spur für immer verloren. Die Spuren, die der Sprachprofiler auswertet, sind robuster. Der Tattext ist dokumentiert, schwarz auf weiß, auf immer und ewig. Um Muster zu erkennen, brauchen wir kein Original. Uns genügt eine gute Kopie. So beginnt unsere Arbeit oft schon, während das Tatschreiben noch bei der Kriminaltechnik liegt.

Der „sprachliche Fingerabdruck“ hat gegenüber den Papillarlinien der Haut einen weiteren großen Vorteil: Er kann sehr viel mehr über den Täter aussagen als ein klassischer Fingerabdruck. Texte lassen zum Beispiel oft Rückschlüsse auf die Anzahl der Autoren, absichtliche Verstellungen, Muttersprache, regionale Herkunft, Altersgruppe, Geschlecht, Bildungsgrad, Kultur, Sprachfertigkeit, und unter günstigen Umständen sogar über die Ausbildung und den Beruf des Autors zu.

Der Sprachprofiler steht jedoch auch vor Herausforderungen, die der Kriminaltechniker bei der Spurensicherung nicht kennt. Fingerabdrücke sind im Wesentlichen unveränderlich. Sie können sich zwar durch Verletzungen, wie zum Beispiel Kratzer oder Schnitte, verändern, das Muster darunter bleibt jedoch erhalten. Die Schleifen, Bögen und Gabelungen, die unser Fingerabdruck schon im Kindesalter zeigt, wird er auch im hohen Alter noch aufweisen. Im Gegensatz zu den Mustern unserer Sprache. Der Textermittler weiß, dass Sprache stetigen Veränderungen unterliegt. Oder wenigstens unterliegen kann. Sprache passt sich an. Ein Leben lang. Auch sie wächst mit, aber sie verändert sich. Als Jugendliche haben wir anders gesprochen, als wir es heute tun. Eventuell sprechen wir im Job anders als zu Hause. Vielleicht sogar mit den Kollegen anders, als mit unserem Chef. Per WhatsApp kommunizieren wir anders als im Geschäftsbrief. Die gute Nachricht ist, dass sich diese Anpassungen meistens nur in einem überschaubaren Rahmen bewegen. Und ab etwa dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr ist unsere Sprache in der Regel relativ stabil. Dennoch müssen wir ihre grundsätzliche Anpassungsfähigkeit bei jeder Analyse berücksichtigen.

Noch komplexer wird es bei der Frage der Einmaligkeit. Das es jeden Fingerabdruck tatsächlich nur ein einziges Mal auf der Welt gibt ist eine Theorie. Zumindest die Wissenschaft geht davon aus. Selbst bei eineiigen Zwillingen wurden bislang ausschließlich unterschiedliche Fingerspuren festgestellt. Um die Frage der Einmaligkeit mit absoluter Sicherheit zu beantworten, müsste man jeden Fingerabdruck von jedem Menschen mit jedem Fingerabdruck von jedem anderen Menschen vergleichen. Weltweit. Und dann könnte man noch die größeren Primaten mit in den Abgleich nehmen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Dass jeder Mensch auf dieser Welt ein eigenes – und vor allem nachweisbares – Sprachprofil hat, das darf angezweifelt werden. Egal ob gesprochen oder geschrieben. Unsere Lebensleistung an Wort und Text ist schlicht nicht zu erfassen. Und dank der zwangsläufigen Veränderung auch nicht in starre Muster zu packen. Deshalb gibt es auch bis heute kein Computerprogramm, kein System und keine Software, die Sprache auf dem Niveau eines halbwegs versierten Sprachprofilers auswerten kann. Keine künstliche Intelligenz auf dieser Welt ist in der Lage, sämtliche Dialekte, feinste Nuancen und die ständigen Veränderungen in der Sprache zu begreifen. Auch nicht bei den amerikanischen Geheimdiensten, wie der CIA, die bereits Millionen von US-Dollar in entsprechende Forschung gepumpt haben. Sprache ist einfach zu vielschichtig. In der Mathematik gibt es für eine Aufgabe eventuell mehrere Lösungen. Aber jede einzelne dieser Lösungen ist dann logisch nachvollziehbar, und zudem exakt bestimmbar. Für die deutsche Sprache gibt es Regeln. Viele verschiedene. Von den Regeln gibt es Ausnahmen, und dann zusätzlich oft noch zahlreiche Sonderfälle … Das eröffnet Chancen. Auch wenn man die Einzigartigkeit und Einmaligkeit grundsätzlich in Frage stellen muss, könnten wir Texte oft dennoch ganz bestimmten Personen zuordnen. Besonders treffsicher sind wir immer dann, wenn nur ein überschaubarer Kreis an Personen als Schreiber in Frage kommt. Beispielsweise, weil das anonyme Schreiben gewisse Informationen enthält, die nicht jeder wissen kann. Oder weil nur eine Hand voll Betroffener ein nachvollziehbares Motiv für einen anonymen Angriff hat.

Deshalb wäre der Begriff „Sprachlicher Fingerabdruck“, wenn man ihn überhaupt verwenden möchte, eher als Metapher zu verstehen. Sprachprofiling ist eine hoch komplexe Angelegenheit. Wie man am Tatort einen Fingerabdruck sichert und dann in eine Analyse-Software einliest, lernt man, wenn es hart auf hart kommt, auch an einem halben Tag. Doch bis ein Sprachprofiler selbständig einen anspruchsvollen Fall lösen kann, braucht es mindestens zwei Jahre Erfahrung, ein außerordentliches Talent für Sprache und Gespür für Grammatik. Eine solide Ausbildung vorausgesetzt.

Autorenbestimmung & Täterprofil

Das Sprachprofiling erweitert alle herkömmlichen Ermittlungsansätze um zwei weitere, schlagkräftige Ansätze: Wenn es einen Kreis von möglichen Tätern gibt, vergleichenden wir das anonyme Schreiben mit Textmaterial von jedem einzelnen der Verdächtigen. Wer von ihnen hat den anonymen Brief geschrieben? War es der Tatverdächtige A, B oder C? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Oder war es keiner von den dreien? Das ist die Hauptaufgabe der Sprachprofiler am Institut für forensische Textanalyse. Dazu steht uns ein breites Spektrum an sprachwissenschaftlichem Sezierbesteck zur Verfügung. Mit jedem Fall, den wir hier gemeinsam bearbeiten, werden Sie eine weitere Facette unserer Arbeit kennen lernen.

Täterprofile bestimmen wir nur, wenn mögliche Verdächtige oder Vergleichstexte fehlen. Ausgehend von sprachlichen Merkmalen im Text versuchen wir dann, dem Täter ein Gesicht zu geben. Auf das Fallwissen darum herum achten wir dabei im ersten Schritt nicht. Was zählt ist nur das Wort. Nicht der Inhalt! Wie könnte der Täter hinter dem Text aussehen? In welchem Alter könnte er sein? Aus welchem Umfeld könnte er stammen? Dabei versuchen wir aus dem Text Rückschlüsse zu ziehen, die auch die Anzahl der möglichen Verdächtigen eingrenzen soll. Das kann auf der Suche nach dem anonymen Angreifer eine wertvolle Hilfe sein.

Die große Herausforderung ist, dass 99 Prozent aller Formulierungen, Satzkonstruktionen oder Argumentationsstrukturen keine Rückschlüsse auf Alter, Geschlecht und Bildungsgrad des Urhebers zulassen. Das verbleibende eine Prozent aber eben schon. Wenn etwa jemand in der persönlichen Anrede das Wort „Du“ groß schreibt, ist das ein Indiz dafür, dass der Autor schon etwas älter sein könnte. An die 40 Jahre oder darüber. Denn sein Spracherwerb lag mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit deutlich vor der Rechtschreibreform 1996. Das wäre eine der einfachsten Übungen. Wobei auch dieses Indiz durch weitere Befunde abgesichert werden müsste. So simpel bleibt es aber natürlich nicht. Deshalb kommen bei der Erstellung von Täterprofilen Datenbanken zum Einsatz, die Sprache und den Wortschatz fortlaufend wissenschaftlich dokumentieren. Zum Beispiel die Wortdatenbank der Universität Bonn, die Wortschatz-Datenbank der Universität Leipzig oder der Korpus des Instituts für Deutsche Sprache.

Hier ein kleines Beispiel auf „Alltagsniveau“ heruntergebrochen: Stell dir vor, du bist heute 25 Jahre alt. Dann kommen dir Worte, wie Fotoapparat, SMS oder CD fremd vor. Sie wären von dir und deiner Generation so weit entfernt wie im Alphabet das A vom Z. Wenn du heute 35 oder 45 Jahre alt bist, wirst du nicht darüber stolpern. Und wenn du heute 70 Jahre alt bist, dann störst du dich vielleicht daran, dass ich dich gerade duze. Jede Zeit hat ihre Sprache. Sprache enthält immer Spuren aus der Vergangenheit und diese lassen sich zurückverfolgen! Was durch Profiling realistisch möglich ist und wo die Grenzen liegen, auch dazu werden wir noch kommen.

Täter, die im Text bewusst tarnen und täuschen

In der praktischen Fallarbeit haben wir es auch mit Tätern zu tun, die ihre Sprache absichtlich verstellen. So wird beispielsweise gerne versucht, durch gebrochenes Deutsch und bewusst eingebaute Fehler, einen ausländischen Ursprung vorzutäuschen. Oder es werden falsche Fährten gelegt. Dazu werden Sie noch zwei besonders spannende Fälle lesen.

Häufig wird – wie auch im Erpresserschreiben an die LithioNanoTec – die “Wir-Form” verwendet, mit der Einzeltäter versuchen, ihre Spuren zu verschleiern oder ihrer Aussage mehr Gewicht zu geben. Das ist in der Praxis sogar der häufigste Täuschungsversuch. Gleichzeitig auch der schlechteste. Grundsätzlich gilt: Ein Täter kann nur verstellen, was ihm auch bewusst ist! Und da Sprache eben zu einem sehr hohen Anteil unterbewusst abläuft, bleiben in der Regel am Ende dann doch genug sprachliche Spuren übrig, um die Täterschaft zu beweisen.

Wenn ein Täter versucht zu tarnen oder zu täuschen, ist das praktische, dass er das in der Regel nur auf einer Ebenen tut. Weil ihm alle anderen nicht bewusst sind. Beispielsweise wählt er andere, als für ihn übliche Formulierungen oder gestaltet seine Schreiben optisch anders, als er es für gewöhnlich tut. Setzt Anschrift, Datum, Betreff, Absätze oder Absenderangaben entgegen seiner üblichen Gepflogenheiten oder verzichtet ganz darauf. Wir untersuchen aber jeden Text auf mehreren Ebenen. Das heißt, in der Praxis bleibt immer etwas übrig, was uns weiter Richtung Wahrheit bringt. Außerdem hat die Erfahrung gezeigt, dass Verstellungsversuche nicht durchgängig durchgehalten werden. Irgendwann fällt der Täter immer aus dem Muster. Und spätestens, wenn es um die Forderung geht, wird sein Deutsch dann wieder besser. Ganz einfach, weil er verstanden werden will. Dazu kommt, dass Verstellung nur in eine Richtung möglich ist: Der Täter kann sich schon Mal nicht schlauer stellen, als er ist. Die Vorteile sind auf der Seite der Sprachprofiler. Ob ein Nachweis geführt werden kann oder nicht, ist am Ende oft nur eine Frage der zur Verfügung stehenden Textmenge. Je mehr Tattext und je mehr Vergleichstext, desto besser für unsere Ermittlungen.

Wie Sprachprofiler Klarheit schaffen

Der Begriff „Forensische Linguistik“ taucht erstmals 1968, in der Veröffentlichung a case for forensic linguistics, von Jan Svartvik auf. Darin beschreibt er den Einsatz linguistischer Methoden, um den Fall eines Serienmörders zu untersuchen. Wichtige Publikationen im deutschsprachigen Bereich folgen dann ab den 1980er Jahren. Beispielsweise, 1981, Der Linguist als Gutachter bei Gericht, von Hannes Kniffka. Kniffka hat bereits in den 70er Jahren, an der Universität Köln linguistische Gutachten erstellt und gilt als Gründer der forensischen Linguistik im deutschsprachigen Raum. Bei der Textanalyse wird heute noch nach den sprachwissenschaftlichen Grundsätzen gearbeitet, die er entwickelt und etabliert hat.

Der wichtigste Ausgangspunkt jeder Analyse ist immer das anonyme Schreiben. Dieses zerlegen wir in seine sprachlichen Einzelteile. Wie ein Arzt bei der Anamnese erheben wir einen Befund. Wir beschreiben den Text. Aus welchen Mustern er sich zusammensetzt. Wir sezieren jedes Detail. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Satz für Satz, Zeichen für Zeichen, Punkt für Punkt. So schlüsseln wir Sprachmuster auf und machen diese nachvollziehbar. Dabei setzen wir auch Software ein, die uns hilft, unsere „manuellen“ Analysen zu objektivieren. Aber unter dem Strich bleibt Sprachprofiling Handarbeit. Oder besser gesagt: Hirnarbeit. Bis die künstliche Intelligenz so weit ist, ist der menschliche Auswerter unverzichtbar. Und vermutlich wird er es auch danach so bleiben. Weil unsere Sprache vielschichtig und komplex ist, tun sich Maschinen schwer, sie zu erfassen. Das erkennen wir jeden Tag schon allein daran, wie oft uns die Autokorrektur unseres Smartphones korrigieren möchte, und damit einiges eher komplizierter macht als besser. Auch wenn es Regeln für jede Sprache gibt, sind diese am Ende nichts anderes, als von Menschen unternommene Versuche, Sprache zu verstehen. Aber Sprache bleibt wandelbar und zu individuell.

Bei unserer Analyse wird dann jeder Befund ausführlich dokumentiert, erklärt und so nachvollziehbar gemacht. Deshalb sind unsere Gutachten schnell mal mehrere hundert Seiten lang. Wie ist der anonyme Brief aufgebaut? Welche Gestaltungselemente kommen vor? Wie sieht die Textgliederung aus? Wie sehen Adressen, Anreden, Datumsangaben und Abschlussgruß aus? Wo werden die Regeln der Rechtschreibung befolgt, wo dagegen verstoßen? Gibt es Auffälligkeiten bei der Zeichensetzung? Wird die Grammatik richtig angewendet? Zum Beispiel bei der Zeitform? Oder bei der Anpassung von Nomen an den richtigen Fall? Arbeitet der Autor mit Einschüben? Wie komplex ist sein Satzbau? Wie tief ist der Wortschatz? Wie der Einsatz von Nebensätzen? Können Rückschlüsse auf die dominante Grundmotivation des Autors gezogen werden? Oder auf seinen bevorzugten Wahrnehmungskanal? All das sind Fragen, die es zu beantworten gilt. Sehr vereinfacht ausgedrückt, wird jedes Wort und jedes Zeichen aus dem anonymen Tatschreiben, mit jedem Wort und jedem Zeichen aus den Vergleichstexten abgeglichen. Am Ende haben wir jede Seite mindestens 50 oder 60 Mal gelesen. Wenn dann in einem der Vergleichstexte dieselben Muster auftauchen wie im anonymen Text, dann haben wir unseren Täter.

Erst entlasten, dann belasten

Bei unseren Analysen suchen wir nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Genaugenommen zuerst nach Unterschieden und dann erst nach Gemeinsamkeiten. Denn im deutschen Straf- und Strafprozessrecht gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung. In dubio pro reo. Im Zweifel für den Angeklagten. So lange, bis das Gegenteil bewiesen ist. Darum auch unser Credo: Erst entlasten, dann belasten! Sonst könnte uns auch unser Unterbewusstsein einen Streich spielen. Denn unser Gehirn ist so gebaut, dass es immer nach Bestätigungen für seine eigenen Überzeugungen sucht. Wenn ich davon ausgehe, dass der Verdächtige sicher der Täter sein muss, dann nehme ich die belastenden Merkmale deutlicher wahr, die entlastenden Merkmale weniger. Und das darf nicht sein. Um mit der gebotenen Objektivität vorzugehen, prüfen wir deshalb im ersten Schritt immer, ob der Verdächtige als Täter auszuschließen ist. Und das passiert in der Praxis gar nicht so selten. Am häufigsten dann, wenn unser Aufraggeber am wenigsten damit gerechnet hat.

Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Wenn man Texte mit Texten vergleicht, findet man immer gewisse Gemeinsamkeiten. Und seien es nur Wörter wie „der“, „die“, „das“ und „oder“. Aber auf solche Allgemeinplätze kommt es beim Sprachprofiling in der Regel nicht an. Auch gewisse Unterschiede finden sich immer. Wenn im Tatschreiben formuliert ist „… dann bringe ich dich um!“, werden Sie in den Vergleichstexten vermutlich lange nach einer entsprechenden Fundstelle suchen. Aber auch dieser Unterschied spielt wenig Rolle. Denn die Kunst ist es, Muster zu identifizieren, die eine wirkliche Aussagekraft haben, weil sie signifikant und besonders typisch für den Täter sind. Und noch wichtiger: weil sie systematisch vorkommen. Also regelmäßig. Und im besten Fall ausnahmslos.

Muster erkennen, auf die kein Mensch achtet

Erst wenn wir einen möglichen Verdächtigen nicht als Autor ausschließen können, dann erfolgt die Belastungsprozedur. Also die Suche nach Gemeinsamkeiten. Gemeinsamkeiten zwischen Tattext und Vergleichstexten. Der eine verwendet zum Beispiel, genau wie der anonyme Täter im Fall Rötgen, regelmäßig Formulierungen wie “bis dato”, während der andere im selben Kontext eher Synonyme wie “bislang”, „bisher“ oder „bis heute“ nutzt. Oder der eine wählt regelmäßig Konstruktionen mit „seit“, der andere mit „seitdem“. Der eine mit „stets“, der andere mit „immer“. Genauso ist es mit darum/daher/deshalb/deswegen, warum/weshalb/wieso, da/weil, bereits/schon, dies/das, selber/selbst, ebenso/ebenfalls und mit tausenden anderen. Solche Auffälligkeiten können sich nicht nur durch Texte ziehen, sondern mitunter sogar durch ein ganzes Leben. Wenn der Sprachprofiler in der Lage ist, vier bis fünf solcher Muster zu erkennen, entsteht so langsam ein Bild. Wobei der Abgleich der Wortwahl nur die einfachste von mehreren sprachlichen Ebenen ist.

Signifikant & systematisch

Analysiert wird dann bis tief in die Feinheiten der Grammatik von Haupt- und Nebensätzen. Grundsätzlich suchen wir dabei Normabweichungen vom Standard-Deutschen. Systematisch auftauchende Fehler haben die höchste Aussagekraft. Natürlich muss auch hier genau differenziert werden. Versehentliche Fehler und Flüchtigkeitsfehler interessieren nur wenig. Auch Fehler bei der Kommasetzung oder bei der Wahl von scharfem- oder doppeltem S, sind so verbreitet, dass die Aussagekraft eher gering ist. Wenn jemand das Wort nämlich mit H schreibt, wird es schon spannender. Vor allem, wenn er es immer tut. Beispiele werden Sie in diesem Buch in Hülle und Fülle finden. Dabei kommt es auf die Kombination vieler einzelner Merkmale an. Nur so entsteht ein Muster. Entscheidend ist, ob diese Fehler Einzelfälle sind, oder ob sie regelmäßig auftauchen. Für den Sprachprofiler ist am interessantesten, was signifikant ist, typisch für den anonymen Autor und was systematisch vorkommt.

Natürlich geht es geht nicht nur um Rechtschreibung. Auch andere Auffälligkeiten, die aus sprachwissenschaftlicher Sicht keine Fehler darstellen, können zum Täter führen. Je höher der Abweichungsgrad gegenüber dem allgemeinen Sprachgebrauch, desto höher ist die Aussagekraft. In keinem Fall darf der Sprachprofiler von sich ausgehen, und sich selbst zum Maßstab machen. Für die Frage, was allgemeiner Sprachgebrauch ist, oder was nicht. Was normal ist, oder auffällig. Auch hier hilft ein Blick in die Datenbanken.

Praktisches Vorgehen bei den Textermittlungen

Zurück zum Fall: Bei der LithioNanoTec AG war der erste Kreis der in Frage kommenden Verdächtigen überschaubar. Das dem Erpressungsschreiben beigefügte interne Dokument lag in einer Version vor, auf die lediglich fünf Personen aus dem Management, sowie drei Mitarbeiter aus der IT-Abteilung Zugriff gehabt haben konnten. Von diesem Personenkreis wurden Vergleichstexte beschafft. Das Erpressungsschreiben selbst bot keine weiteren Interna, über die der Kreis der möglichen Täter hätte noch weiter eingegrenzt werden können. Auch Schreibkräfte und Assistenten von Führungskräften konnten ausgeschlossen werden.

Die LithioNanoTec AG hatte sich für Ermittlungen mit offenem Visier entschieden. Um alle zu Unrecht in Verdacht geratenen Führungskräfte und Mitarbeiter schnell zu entlasten, wurde von allen das Einverständnis für den Abgleich aktueller Textdokumente mit dem Tatschreiben eingeholt. Durch die gezielte Suche nach entlastenden Merkmalen konnten sechs der acht Personen sofort mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Bei den verbleibenden Beiden wurden aufwändigere Analysen gefahren. Dadurch konnte sehr schnell ein weiterer Mitarbeiter vom Verdacht befreit werden. Der andere blieb im Rasta hängen …

Die Treffsicherheit der Sprachprofiler

Im Optimalfall wird der Befund einer sprachwissenschaftlichen Textanalyse zusätzlich durch andere, unabhängige Beweismittel gestützt. In den letzten Jahrzehnten gab es jedoch auch regelmäßig rechtskräftige Urteile, bei denen die Sprachanalyse das einzige Beweismittel war und die volle Beweislast getragen hat. Unter anderem bei Urteilen von Arbeits-, Amts- und Landesgerichten, aber auch bei Oberlandesgerichten. Ergebnisse die von einer 99,999-Prozent-Wahrscheinlichkeit sprechen, wie bei der Analyse von Fingerabdrücken oder DNA sind im Bereich der Sprachanalyse nicht möglich. Unter günstigen Umständen ermöglicht die Sprachanalyse aber dennoch eine sehr hohe Genauigkeit bei der Zuordnung. Eine Aussage zur Wahrscheinlichkeit ist Teil jedes Gutachtens. Sollte eine verdächtige Person als Täter in Frage kommen, bestimmen wir den Grad der Wahrscheinlichkeit: Die Identität des Urhebers ist wahrscheinlich/mit hoher Wahrscheinlichkeit/mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Oder auszuschließen. In extrem ungünstig gelagerten Fällen kommt es auch vor, dass ein Befund nicht möglich ist. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Beweisführung mit Buchstaben

Ralf Rötgen hatte für drei der Mitglieder seiner Geschäftsleitung die Hand ins Feuer gelegt. Zu den anderen beiden hatte er in dieser Angelegenheit „kein Gefühl“. Sein erster Verdacht ging auch eher in Richtung der IT-Abteilung. Dort vermutete er das Leck. Die Beweisführung des forensischen Textanalyse überraschte ihn umso mehr: Als Autor des anonymen Schreibens konnte einer seiner Bereichsleiter identifiziert werden. Ein alter Wegbegleiter, ein eigentlich sehr verdienter Mann, der im Unternehmen eine steile Karriere hingelegt hatte. In den letzten Jahren war er ruhiger geworden. Zuletzt hatte er mehr verwaltet als gestaltet. Ralf Rötgen war seit längerem aufgefallen, dass der Kollege sich zu aktuellen unternehmerischen Themen nicht mehr so klar positioniert und geäußert hatte. Dennoch war er davon ausgegangen, dass er als gehobene Führungskraft die Unternehmensstrategie mitträgt.

Der Bereichsleiter, der sonst flüssige, grammatikalisch ausgereifte Schriftsätze in einem gehobenen Deutsch verfasste, hatte im anonymen Schreiben seine Sprache absichtlich verstellt. Neben der für anonyme Schreiben typischen Wir-Form hatte er beispielsweise, abweichend von seinem üblichen Stil, besonders häufig einzelne Wörter in Anführungszeichen gesetzt und stellenweise für ihn unübliche Formulierungen verwendet. Anhand von sechsundzwanzig (!), teilweise sehr starken Hinweisen, ergab sich dennoch ein erdrückendes Bild. Im Fachjargon: Bewertungsstufe +3. Seine Urheberschaft ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Beispielhaft finden Sie hier fünf der Merkmale, in verkürzter Form dargestellt:

Verstärkung von Komparativen durch Voranstellung des Adverbs „immer“: Im Tatschreiben, z. B.: „Dadurch wird unsere Lage nicht besser, sondern immer ernster.“. Die Vergleichstexte zeigen, dass auch der Bereichsleiter diese Verstärkung regelmäßig verwendet, z. B. „immer schöner“, „immer schlimmer“, „immer schneller“, „immer besser“.

Adverb „sonst“ zur Einleitung einer Drohung im nachgestellten Nebensatz: Im Tatschreiben, z. B.: „Geben Sie Ihre diesbezüglichen Pläne besser auf, sonst sehen wir uns gezwungen …“. Die Vergleichstexte zeigen, dass auch der Bereichsleiter entsprechende Konstruktionen systematisch verwendet, z. B. „Bitte behandeln Sie dieses Angebot vertraulich, sonst müssen wir es zurückziehen.“. Verworfen werden gleichwertige Optionen wie „ansonsten“, „andernfalls“ oder „Falls/Wenn/Sofern nicht, …“.

Regelmäßige Verwendung der Präpositionalphrase „in Kürze“: Im Tatschreiben, z. B.: „… Sie stehen kurz davor …“, „… in Kürze der Belegschaft zugänglich machen …“. Die Vergleichstexte zeigen, dass auch der Bereichsleiter regelmäßig die Präpositionalphrase „in Kürze“ verwendet, z. B.: „in Kürze unter vier Augen sprechen“, „in Kürze durchliest“, „erzähle ich es dir in Kürze am Telefon“. Synonyme wie „(als)bald“, „sogleich“, „zeitnah“, „zeitig(st)“, „frühzeitig“, „schnell“, „umgehend“, „demnächst“ oder Ähnliches verwendet er kaum.

Nie Leertaste/Abstand vor Fortsetzungszeichen „…“, also „xxx…“, statt „xxx_…“: Im Tatschreiben, z. B.: „… der strahlende Saubermann…“, „… Damit ist dann wohl alles gesagt…. Nach der Briefnorm DIN 5008 gehört vor und nach jedes Auslassungszeichen ein Leerzeichen. Die Vergleichstexte zeigen, dass auch der Bereichsleiter an entsprechenden Stellen niemals das Leerzeichen vor Fortsetzungszeichen setzt, z. B. „wird sich dann zeigen…“.

Häufige Verwendung bildhafter Begriffe und Redewendungen: Das Tatschreiben ist voller bildhafter Begriffe, z. B.: „… bilderbuchhaften „Karriere“ …“, „… eine Spielwiese schaffen …“, „… die Braut hübsch gemacht …“, „… strahlender Saubermann …“, „Das Wasser steht uns bis zum Hals“. Die Vergleichstexte zeigen, dass auch der Bereichsleiter besonders häufig bildhafte Begriffe und Redewendungen verwendet, z. B. „den Karren aus dem Dreck ziehen …“, „Sturm im Wasserglas …“.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob es das schon gewesen sein soll, lautet die Antwort selbstverständlich nein. Mit einer Hand voll solcher Merkmale ist noch kein Täter überführt. Aber in etwa so beginnt die Beweisführung oft. Wer hofft, in anonymen Schreiben auf den ersten Blick eine Kombination aus ungewöhnlichen Fehlern und sich aufdrängender Besonderheiten zu finden, der wird enttäuscht. Dieser beispielhafte Auszug zeigt fünf unterschiedliche Merkmale auf fünf unterschiedlichen Analyseebenen. Von der einfachen Wortwahl, über die Zeichensetzung  bis hin zur Sprachpsychologie. In Summe gab es sechsundzwanzig Auffälligkeiten, die sowohl im anonymen Schreiben, als auch in den Vergleichstexten des Bereichsleiters vorkamen. Oft finden wir dreißig Merkmale und mehr. Die große Kunst ist es, die Merkmale so herauszuarbeiten, dass auch jemand, der sich nicht jeden Tag mit Sprachprofiling, Linguistik und forensischer Textanalyse beschäftigt, trotzdem ein klares Bild bekommt. Nur so haben unsere Auftraggeber, deren Krisenstäbe und letztendlich dann auch der Richter die Bewertungsgrundlage, die sie brauchen, um ihre eigenen Entscheidungen richtig zu treffen.

Der Bereichsleiter wurde in einem Sechs-Augen-Gespräch mit den Befunden und dem erdrückenden Ergebnis der Analyse konfrontiert. Nach vierzig Minuten brach er ein und gestand den anonymen Brief geschrieben, und am Flughafen München in den Briefkasten geworfen zu haben. Bei ihm waren zwei Motive zusammen gekommen. Frustration über die aktuelle Situation, aber auch verletzte Eitelkeit nach einer Auseinandersetzung. Seine Verletzung hatte so tiefe Wunden hinterlassen, dass er das Schreiben zwar eingestand, jedoch keine Reue zeigte. Aber offensichtlich war er ein guter Verhandler. Denn statt einer Kündigung konnte er in der Woche darauf einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Das unschöne Ende einer jahrelangen Zusammenarbeit.

Der anonyme Täter ist identifiziert und überführt, der Einsatz der Text-Taskforce damit erfolgreich beendet. Der große Gewinn für Ralf Rötgen war, dass er sensible Themen nun wieder mit seinen Sparringspartnern diskutieren konnte. „Im Grunde bin ich erleichtert, dass nur er es war. Jedes andere Szenario wäre schlimmer gewesen …“, war sein Resümee.

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