erschienen am 14.09.2018

Sie entlarven Verfasser anonymer Schreiben

Patrick Rottler arbeitet als Sprachprofiler am Privat Institut für forensische Textanalyse. Wie der 25-Jährige knifflige Fälle löst und für welche Auftraggeber er arbeitet.

„Die Fischplatte stinkt bis zum Himmel.“ Diese negative Bewertung im Internet wollte ein Gastronom nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich bot er die Speise noch nicht einmal an. Wer also steckte hinter dieser Lüge? Es war ein typischer Fall für Patrick Rottler, der einst in Augsburg Kommunikationswissenschaften studiert hat. Als Sprachprofiler arbeitet der 25-Jährige am Privat Institut für forensische Textanalyse in München.

Seine Aufgabe ist es, anonymen Verfassern von Drohbriefen und Schmähungen auf die Schliche zu kommen.

Immer wieder erhielt das Sternelokal im Internet schlechte Bewertungen. Der verzweifelte und verärgerte Restaurantbetreiber bat das Münchner Unternehmen, das der gebürtige Augsburger Leo Martin gegründet hat, irgendwann um Hilfe. Er wollte der gezielten Rufschädigung ein Ende bereiten. Patrick Rottler erzählt, wie der Verfasser der geschäftsschädigenden Zeilen entdeckt wurde. „Zufällig stellte sich heraus, dass zwei Häuser weiter ein Mann lebte, der sich von den Anlieferungen des Restaurants gestört fühlte und genervt war.“

Der Sprachprofiler gelangte an geschriebene Texte des Anwohners. Vergleichstexte, werden diese von Experten genannt. Anhand dieser untersucht Rottler, ob es Parallelen zu anonymen Schreiben gibt. Er ist Experte der vergleichenden Sprachanalyse. In diesem Fall landete Rottler, der in Passau geboren ist, einen Volltreffer.

„Wir konfrontierten den Nachbarn damit. Er gab alles zu.“ Man habe sich darauf geeinigt, keine Polizei einzuschalten. „Damit war der Fall erledigt.“ Wie man Sprachprofiler wird? Bei Patrick Rottler war ein Geschenk ei Auslöser. Die Sprache an sich, habe ihn schon immer fasziniert, erzählt der junge Mann.

Rottler war von der Arbeit so begeistert, dass er sich nun an dem Münchner Privat Institut zwei Jahre lang ausbilden lässt. Der Geschäftsführer, Leo Martin, bescheinigt dem jungen Kollegen großes Talent. „Er hat ein sehr gutes Gespür für die Sprache.“

Martin, gebürtiger Augsburger, hat selbst eine klassische Polizeiausbildung absolviert und arbeitete auch beim Verfassungsschutz. Viele Kunden kommen aus der Wirtschaft.

Da geht es um Verrat von Betriebsgeheimnissen, Spionage, Erpressung oder gar Morddrohung.

„Wir arbeiten für viele Auftraggeber, die keine Staatsanwaltschaft einschalten wollen“, erklärt Leiter Leo Martin. Ihre Aufklärungsquote liege bei 100 Prozent, sagt der 43-Jährige. Angenommen würde allerdings nur Aufträge, bei denen die Experten eine reale Chance auf Erfolg sehen. Oft sind es die kaum wahrnehmbaren Feinheiten, die Experten wie Patrick Rottler bei einer Sprachanalyse auffallen. Er nennt ein Beispiel, ohne zu viel verraten zu wollen.

„Wenn jemand im Text die Worte ,SMS‘ oder ,Fotoapparat‘ verwendet oder ,Du‘ und ,Sie‘ konsequent groß schreibt lässt das auf jemand Älteren schließen.“ Er kennt aber auch die Tricks von anonymen Verfassern, mit denen sie sich verstellen wollen. So stecke hinter einem formulierten „Wir“ meist doch nur ein Einzelner. Rottler analysiert in anonymen Briefen, SMS oder Kurznachrichten unterschiedliche Merkmale, wie etwa die optische Gestaltung eine Schreibens, die Grammatik oder die Häufigkeit von Synonymen.

Bei seiner Arbeit verwendet er auch wissenschaftliche Datenbanken, die sich etwa mit der deutschen Gegenwartssprache befassen. Seine Gutachten umfassen zwischen 40 und 80 Seiten und dokumentieren, wie de Sprachprofiler zu seinen Ergebnissen kam. Oft seien die Auftraggeber auch Privatpersonen. Wenn es etwa um Stalkingfälle geht. „Klassisch sind aber auch Testamentsfälle“, berichtet Leo Martin. Beide plaudern noch einmal aus dem Nähkästchen.

Eine ältere Dame war verstorben. Als es um ihr Testament ging, tauchten plötzlich angebliche Briefe der Oma auf. In denen vermachte sie wertvolle Kunstwerke im Wert von knapp zwei Millionen Euro ihrem einstigen Liebhaber. Skeptische Familienangehörige wandten sich an die Sprachprofiler. Dort konnte man nachweisen, dass es sich bei den Briefen der Verstorbenen um Fälschungen gehandelt hatte. „Es bringt die Behörden dazu zu ermitteln.“